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Wer soll das eigentlich alles dokumentieren?!

Die EN 1090 Zertifizierung ohne bürokratischen Ballast
27. Juli 2026 durch
HQL Consulting GmbH

Dieser Satz fällt in unseren Gesprächen mit Geschäftsführern und Fertigungsleitern im Metall- und Stahlbau fast täglich. Die Sorge vor einem unbezwingbaren Berg an Formularen, Prüfprotokollen und Dokumentationspflichten ist absolut verständlich. Niemand hat in der Praxis Zeit oder Lust auf eine sinnlose Zettelwirtschaft, die den eigentlichen Betrieb in der Werkstatt blockiert und wertvolle Arbeitszeit auffrisst.

Die Wahrheit ist jedoch: In der Praxis wird oft viel zu kompliziert gedacht. Die europäische Normenreihe DIN EN 1090 bietet über ihr System der Ausführungsklassen einen klaren Spielraum, den viele Betriebe schlicht nicht nutzen. Der tatsächliche Dokumentationsaufwand richtet sich nämlich genau nach dem, was Ihr Unternehmen wirklich fertigt.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie die Ausführungsklassen Ihren bürokratischen Aufwand steuern und warum eine ehrliche Analyse im Vorfeld bares Geld spart.

Der Schlüssel zur schlanken Zertifizierung: Die Ausführungsklassen (EXC)

Die DIN EN 1090 teilt tragende Bauteile aus Stahl und Aluminium in vier verschiedene Ausführungsklassen (Execution Classes, kurz EXC) ein. Diese Klassen richten sich nach dem Gefährdungspotenzial des fertigen Bauwerks und der Komplexität der Herstellung:

  • EXC 1: Diese Klasse gilt für vorwiegend ruhend belastete Tragwerke mit geringem Schadensrisiko. Typische Beispiele sind einfache Geländer, Carports, landwirtschaftliche Hallen oder Wintergärten. Die Anforderungen an die Qualitätsmanagementsysteme und die Schweißdokumentation sind hier auf ein absolutes Minimum reduziert. Ein zertifizierter Schweißfachingenieur ist hier beispielsweise meist gar nicht zwingend vorgeschrieben.
  • EXC 2: Der Standard im klassischen Stahl- und Metallbau. Diese Klasse umfasst den gewöhnlichen Hochbau wie Bürogebäude, Standard-Lagerhallen oder Industriebauten. Hier sind die Anforderungen an die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) und die Qualifikation der Schweißaufsichtsperson klar definiert, lassen sich aber mit den richtigen Vorlagen sehr effizient organisieren.
  • EXC 3: Diese Klasse kommt bei dynamisch beanspruchten oder besonders sicherheitsrelevanten Konstruktionen zum Tragen. Beispiele sind Straßenbrücken, Tribünen oder große Kranbahnen. Der Dokumentationsaufwand steigt hier sprunghaft an, da lückenlose Rückverfolgbarkeit für jedes Bauteil und jeden Arbeitsschritt gefordert ist.
  • EXC 4: Diese höchste Stufe betrifft extreme Sonderbauten mit katastrophalen Schadensfolgen, etwa Kernkraftwerke oder Spezialkonstruktionen in Ballungsräumen. In der klassischen KMU-Praxis kommt diese Klasse so gut wie nie vor.

Viele Betriebe scheuen die Zertifizierung, weil sie fälschlicherweise glauben, sie müssten für einfache Arbeiten die strengen Dokumentationsrichtlinien der EXC 3 erfüllen. Wer seine Bauteile und Zielgruppen im Vorfeld exakt analysiert, kann den Dokumentationsaufwand oft drastisch senken.

Drei Klassiker aus unserer Beratungspraxis

Im Rahmen unserer GAP-Analysen und Audits bei HQL Consulting erleben wir regelmäßig die gleichen drei Fehlannahmen, die Betrieben unnötig Zeit, Nerven und Geld kosten.

Fall 1: Die unnötige Zertifizierung

Ein mittelständischer Betrieb fragte uns an, ob er ohne Zertifizierung eine tragende Stahlhalle montieren darf. Die rein rechtliche Antwort lautet hier ganz klar: Nein, im bauaufsichtlichen Bereich ist die Zertifizierung nach DIN EN 1090 gesetzlich zwingend vorgeschrieben. Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellten wir jedoch fest, dass es sich um ein einmaliges Gefälligkeitsprojekt für einen Partnerbetrieb handelte. In der Zukunft plante das Unternehmen keine weiteren Aufträge dieser Art.

Unsere Empfehlung war in diesem Fall eindeutig: Wir haben dem Kunden von einer Zertifizierung abgeraten. Der finanzielle Aufwand für das Audit und der Aufbau der werkseigenen Produktionskontrolle hätten die Marge dieses einzelnen Auftrags bei Weitem überstiegen. Ehrlichkeit geht bei uns grundsätzlich vor Umsatz. Der Kunde hat das Projekt an einen zertifizierten Partner übergeben und sich auf sein eigentliches Kerngeschäft konzentriert.

Fall 2: Die falsche Ausführungsklasse

Ein Metallbauer aus dem Emsland weigerte sich aus Angst vor dem bürokratischen Aufwand komplett, das Thema Zertifizierung überhaupt anzugehen. Er war überzeugt, dass sein kleiner Betrieb die Dokumentationsanforderungen niemals nebenbei bewältigen könne.

Wir haben uns seine typischen Bauteile und Kundenstrukturen im Detail angesehen. Schnell wurde klar: Er hatte für seine Standardprodukte fälschlicherweise die Anforderungen der EXC 2 oder gar EXC 3 im Kopf. Für seine tatsächlichen Aufträge im regionalen Gewerbe- und Privatbereich reichte die EXC 1 völlig aus. Mit dieser passgenauen Einstufung schrumpfte der geforderte Dokumentationsaufwand auf ein absolut machbares Minimum. Heute ist der Betrieb erfolgreich zertifiziert und sichert sich rechtssicher neue Aufträge in der Region Niedersachsen.

Fall 3: Das „Alles-Abdecken“-Syndrom

Ein anderer Kunde wollte die DIN EN 1090 in vollem Umfang und mit allen theoretisch denkbaren Optionen zertifizieren lassen, weil ihm dies von dritter Seite so empfohlen worden war. Man wollte flexibel für jeden theoretischen Auftrag der Zukunft sein.

Unsere Analyse zeigte schnell: Das ging völlig am tatsächlichen Bedarf des Betriebs vorbei und hätte eine permanente, teure Bürokratieabteilung erfordert. Ein Unternehmen profitiert am Ende nicht von maximaler Bürokratie auf dem Papier, sondern von einem Zertifikat, das exakt seine tatsächliche Kernkompetenz abbildet und die tägliche Arbeit in der Werkstatt nicht behindert. Wir haben das Zertifizierungsvolumen auf das gesunde und notwendige Maß gestutzt.

HQL Consulting GmbH 27. Juli 2026
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